Historie

So fing es an - ein kurzer Rückblick

Baustelle des Kindergartens 1980

Baustelle des Kindergartens 1980

Es begann 1978 mit einer kleinen Gruppe von zunächst acht Kindern, die in einem Raum des Jugendseminars Engen im Sinne der Waldorf-Idee betreut wurden. Schon bald darauf entwickelte sich der Wunsch nach einem "richtigen" Waldorf-Kindergarten. Vom Wunsch zur Wirklichkeit: Am 5.Juni 1982 wurde nach zweijähriger Bauzeit das Gebäude des Kindergartens in der Goethestraße 4 eingeweiht. Der großen Einsatzbereitschaft der Eltern und vieler freiwilliger Helfer war es zu verdanken, dass das meiste in Eigenarbeit realisiert werden konnte und die Kosten überschaubar blieben. Im Geiste der Gemeinsamkeit entstand eine bis heute schöne Heimat für Kinder und Eltern, in der man sich wohlfühlt und vom Zusammenwirken aller lebt.

  • Von den Anfängen des Waldorfkindergartens Engen
  • Der etwas andere Engener Kindergarten
  • Im schöpferischen Spiel lernen Kinder natürlich
  • Kleine Kinder brauchen beschützende Umgebung
  • Fröhliche Menschen als Ziel

                                                                                                                  

Von den Anfängen des Waldorfkindergartens Engen

Ideen, Gedanken und Inspiration sind immer der Anfang von etwas Neuem.
Damit dieses Neue reifen und Realität werden kann, braucht es Menschen,
die zum rechten Zeitbunkt sich begegnen, zusammenwirken und das Neue
Gestalt werden lassen.
Die Sehnsucht nach einer nach Waldorfprinzipien arbeitenden Einrichtung ging
von einer jungen Familie aus, die 1976 in den Hegau versetzt wurde und
eigentlich nach Überlingen am See in die Nähe der dortigen
Waldorfschule kommen wollte, der Kinder wegen.
Es fügte sich, daß zur gleichen Zeit in Engen das anthroposophische
Freie Jugendseminar unter der Leitung von Herrn Prange in der ehemaligen
Landwirtschaftsschule mit seiner Arbeit begann.
Die Suche nach gleichgesinnten Eltern führte die Familie über die dortige
Gärtnerin zu Herrn Prange, der dazu ermutigte, eine eigene
Waldorfkindergarteninitiative zu gründen.
Er bot selbst an, durch gemeinsame intensive Beschäftigung mit
der Waldorfpädagogik und der ihr zu Grunde liegenden Anthroposophie in
Form von einem Lesekreis, Eurhythmie mit Frau Prange und Vorträgen mit
Fachleuten mitzuhelfen, das geistige Fundament für die Initiative zu schaffen.
An einem Nachmittag im Juni'77 trafen sich dann interessierte
Mitglieder einer Frauengruppe und Eltern mit ihren Kindern zu einem
Gedankenaustausch und beschlossen, die Sache weiter zu verfolgen.
Ein Lesekreis bei Herrn Prange entstand, man begann, Möbel, Tücher
und Puppen für die erste Gruppe herzustellen, informierte sich
bei benachbarten Waldorfkindergärten, und man bereitete sich mit
einer groß angelegten Werbung und einem schönen Linolschnittplakat,
von einem der Väter erstellt, auf einen herausragenden Vortragsabend
"Über das Wesen des Kindes" mit Herrn von Kügelgen aus Stuttgart,
einem der führenden Persönlichkeiten der Waldorfpädagogik vor,
der im Herbst'77 stattfand.
Neue Eltern kamen hinzu, und die Arbeit konnte gestärkt fortgesetzt werden.
Dezember'77 wurde der notwendige rechtliche Rahmen in Form eines Vereins
geschaffen und man begann gezielt mit der Suche nach einer Waldorfkindergärtnerin.
Durch Zufall hörte im Frühjahr'78 eine Kindergärtnerin in Ausbildung,
Frau Angelika Zimmermann, über ihre Mentorin in Überlingen von der
neugegründeten Initiative, kam und ward in gegenseitiger Sympathie
gewonnen für den Beginn einer Gruppe Herbst'78, obwohl noch kein Raum
zur Verfügung stand.
Mit Hochdruck machte man sich auf die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten
für den Kindergarten.
Bei einem Tag der Offenen Tür des Freien Jugendseminars im späten
Frühjahr'78 übernahm die Initiativgruppe die Kinderbetreuung im
Kachelofenzimmer im Untergeschoß des Seminars.
Da bis zum Sommer immer noch keine geeigneten Räumlichkeiten gefunden
worden waren, bot Herr Prange eben diesen Raum als Übergangslösung
für die erste Gruppe an mit der Auflage, binnen einem Jahr entweder Räume
zu mieten oder zu bauen.
Im Sommer'78 begann also Frau Zimmermann mit der ersten Gruppe im
Kachelofenzimmer des Freien Jugendseminars mit insgesamt 9 Kindern.
Dafür wurde in den Ferien eine Toilette umgebaut, der Raum kindergerecht
her- und eingerichtet und im Garten unterhalb des Seminars
ein Platz in einer Obstwiese eingezäunt als Spielbereich im Freien.
Das waren dann die Orte, wo mit großer Anteilnahme das erste Adventsgärtlein
und das erste Sommerfest mit dem Rosentörlein gefeiert wurde.
Als dann nach verschiedenen Überlegungen über Standort, Räumlichkeiten,
Einzugsbereich - man dachte damals auch an eine eventuelle
Weiterentwicklung in eine Waldorfschule - kein geeigneter Platz gefunden
wurde, entschloß man sich, bestärkt durch das Angebot des
Freien Jugendseminars und der Stadt Engen, das dem Seminar
gegenüber liegende Grundstück zur Verfügung zu stellen, zu bauen.
Herr Egner, selbst Vater eines Kindes im Waldorfkindergarten und Bautechniker
bei der Stadt Engen erstellte den Plan, und die Eltern schufen, was sie konnten,
von den Fundamenten bis zum Dach und der Außenanlage.
Ostern/Pfingsten'80 konnte der Bau mit 2 Gruppen bezogen werden.
Dort konnten nun und können hoffentlich noch lange Kinder behütet vor der
verwirrenden Medienflut aufwachsen, ihre Phantasie, Intelligenz und ihre
körperlichen und sozialen Fähigkeiten im Umgang mit den Naturmaterialien
und dem Morgenrhythmus frei entfalten, geborgen in den immer
wiederkehrenden Märchen und Jahresfesten, die mit großem Ernst vorbereitet,
gefeiert und gelebt werden.
Trotz allen Schwierigkeiten, die manche Eltern und Kinder in manchen Zeiten
auf Grund von Meinungsverschiedenheiten - und so etwas wird es in einem
lebendigen Organismus, in dem Menschen zusammenwirken, immer geben -
durchmachen mußten, leben die wahren Ideen weiter, und der tiefere Sinn
wird mit jeder Generation neu belebt.

Engen, den 29.09.1998

                                                                                                                 


Der etwas andere Engener Kindergarten
Eltern bauten den Waldorfkindergarten vor 20 Jahren - Geburtstag gefeiert


Eine Elterninitiative veränderte vor 20 Jahren die Kindergartenlandschaft in
Engen. 1977 fanden sich einige Eltern aus Engen und dem Hegau zusammen,
um einen Kindergarten nach der Waldorfpädagogik zu gründen. 1978 war die
Eröffnung. Vorübergehend hatte er eine Bleibe im Freien Jugendseminar ge-
funden. Im Juni 1982 wurde der von den Eltern erbaute Kindergarten in Betrieb
genommen. Jetzt feierte der Waldorfkindergarten seinen 20. Geburtstag.
Im Sommer 1977 fanden sich interessierte Eltern zusammen, um sich mit der
Waldorfpädagogik vertraut zu machen. Ihr liegt die anthroposophische
Pädagogik von Rudolf Steiner zugrunde. Ziel ist eine naturbezogene Erziehung,
das Spielen mit selbstgebasteltem Spielzeug, damit die Kinder ihre Phantasie
entfalten können. Die Kinder sollten individuell gefördert werden, ohne sie
intellektuell zu überfordern. Thomas Jochim, einer der Initiatoren schilderte
bei der kleinen Feierstunde zum 20, Kindergartengeburtstag die Entstehungs-
geschichte. 1977 wurde der Verein zur Förderung der Waldorfpädagogik
gegründet. Mit acht Kindern wurde der Kindergarten 1978 im Freien Jugend-
seminar, der ehemaligen Landwirtschaftsschule, eröffnet. Die Kinder kamen aus
Engen und aus dem Hegau. Gleichzeitig begann man mit den Überlegungen zu
einer eigenen Unterkunft. Man einigte sich auf den Neubau eines Kinder-
gartens. Gegenüber dem Jugendseminar stellte die Stadt ein Grundstück zur
Verfügung. Die Baupläne fertigte Jürgen Egner, der auch die Bauleitung
übernahm. Egner schilderte in seinem Vortrag Einzelheiten der Bauzeit und der
Finanzierung. 378000 Mark ist der Wert des Grundstücks und Gebäudes. Stadt
und Land leisteten einen Zuschuß von 174000 Mark. Das Baumaterial bezifferte
er mit 90000 Mark und die Eigenleistungen der Eltern mit 168000 Mark.
Individuell ist der Baukörper nach dem Waldorfprinzip gestaltet. Anderthalb
Jahre haben die Eltern ihre Freizeit und auch Urlaube auf dem Bau verbracht,
den sie im Sommer 1982 fertigstellten und einweihten. In den 18 Jahren seines
Bestehens hat sich der Kindergarten mit seinen zwei Gruppen bewährt.
Die Geburtstagsfeierstunde gestalten sieben Musikanten, ehemalige Kinder-
gartenkinder. Die Vorsitzende des Vereins, Bettina Kaiser aus Tuttlingen,
betonte die Verantwortung den Kindern gegenüber. Die Erzieherinnen,
Ursula Böttger und Martina Koch, wollen im Sinne der Waldorfpädagogik das
ganze Wesen der Kinder ansprechen. Die Initiative, den Geist der Gründungs-
eltern gelte es zu pflegen und auszubauen. Sie betonten aber auch, daß sich
die Erziehungsarbeit in den letzten 20 Jahren verändert hat, durch die geändert-
en gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Auch in Zukunft soll der Kinder-
garten Platz für ein phantasievolles Spielen der Kinder bieten und ein waches
Auge für die Natur vermitteln. Wichtig für die Kindergartenleiterin Martina Koch
ist es, daß die Kinder durch Nachahmung lernen. Die Erwachsenen müßten
deshalb Vorbild sein. Nach der Feierstunde tollten die Kinder im Kindergarten
und im Freigelände herum und hatten ihren Spaß beim Puppenspiel mit dem
Märchen von Rumpelstilzchen.

Sommer 1998

                                                                                                                  

Im schöpferischen Spiel lernen Kinder natürlich
Waldorfkindergarten in Engen vorgesehen - Gegen die intellektuelle Überforderung


Engen ros. Es surrt kein batteriebetriebener Metall-Schaufellader durchs
Kinderzimmer und keine "Mama"-quäkende Plastikpuppe mit langen
blonden Haaren sitzt im Puppenwagen. Bücher, die die Kleinkinder aufs
Lesen, Schreiben und Rechnen trimmen sollen, bevor sie in die Schule
kommen, gibt es auch nicht - bei den Waldorfanhängern. Sie wollen, daß
ihre Kinder erst einmal das Spielen lernen, bevor ihr Intellekt auf
Wissenschaft eingestellt wird. "Die schöpferische Phantasie fördern"
ist ein wichtiger Waldorf-Gedanke und Leitsatz einer Gruppe von
Waldorfanhängern im Hegau. Im Dezember des vergangenen Jahres
haben sie den "Verein zur Förderung der Waldorfpädagogik im Hegau"
gegründet. Im August dieses Jahres wollen sie in Engen einen Waldorf-
kindergarten eröffnen. Später, so der Vorsitzende Konrad Braun aus
Mühlhausen-Ehingen, wird vielleicht eine Waldorfschule im Hegau die
Fortsetzung sein.

Eine Kindergärtnerin, die ab August 1978 den Waldorfkindergarten leiten soll,
hat der Verein bereits gefunden. Sie ist 23 Jahre alt, staatlich ausgebildet,
bringt Heimerfahrung mit und praktiziert zur Zeit in einem Waldorfkindergarten in
Überlingen. Problem ist die Finanzierung. Da man die Eltern, die ein Kind in den
Waldorfkindergarten schicken, nicht über Gebühr belasten will, hofft der Verein
auf fördernde Mitglieder. Auch rechnet man mit der Unterstützung der Stadt
Engen, für die der Waldorfkindergarten den Vorteil hat, daß sie eine Anzahl
neuer Kindergartenplätze bekommt, auch wenn manche Kinder nicht aus Engen
direkt, sondern auch aus anderen Hegaugemeinden kommen werden.
Bisher hat die Stadt Räumlichkeiten angeboten, über die noch nicht ent-
schieden ist. Als Zuschuß will die Stadt den Anteil geben, den sie anderen in
Engen vorhandenen Kindergärten gibt, allerdings nur für Kinder, die aus Engen
kommen. Nun, hier dürfte noch eine Aufgabe für den Verein liegen. Die Stadt
Engen wird sich ausrechnen müssen, welchen Gewinn sie nicht nur an Kinder-
gartenplätzen, sondern auch an Eigeninitiative von Eltern und an Ruf als Stadt
mit Ideenvielfältigkeit hat. Das Grundübel des heutigen Erziehungssystems -
Kindergarten und Schule - sieht die Waldorfpädagogik in der intellektuellen
Überforderung des Kindes. Der junge Mensch werde zu früh zu wissenschaft-
lichem Denken gezwungen. Dazu sei das Kind zwar fähig, werde aber über-
fordert und in seinem natürlichen Lebensrhythmus gestört. Der Spieltrieb des
Kindes und seine schöpferische Phantasie müßten dagegen angeregt und
gefördert werden. Im Spiel entwickle sich die Lernfähigkeit des Kindes, besagt
die Waldorfpädagogik, wobei es zwischen Spiel und Spiel natürlich Unter-
schiede gibt. Gemeint ist nicht die Konfrontation mit vorgefertigten Spielsachen,
mit bereits ausgetüftelten Spielen, sondern gemeint ist spielen mit natürlichen
Mineralien, mit denen das Kind seine Vorstellungskraft walten lassen kann.
Denken wir uns ein Spiel aus, einmal, wie es üblich ist, einmal, was Waldorf-
kinder damit machen würden. Zu Weihnachten gab's einen Kaufladen, schön rot
lackiert mit vielen Fächern, Regalen und Schubladen. Das Salz ist in der dritten
Schublade links oben, das Brot rechts unten, in der Mitte ein Fach für Süßig-
keiten usw. Die Kinder spielen eine Weile damit, bis sie alles kennen und
lassen den schönen Kaufladen bald links liegen, weil sie sonst nichts damit
anfangen können. Im Waldorfkinderzimmer steht eine selbst gezimmerte Holz-
bank mit stabiler Lehne. Jetzt wird "Kaufladen" gespielt. Die Kinder besorgen
sich ihre Lebensmittel selbst. Sie haben genügend Phantasie, um einem
Wollknäuel die Bezeichnung Brot zu geben, ein paar Stücke Stoff und einige
Tannenzapfen, vielleicht noch etwas aus Muttis Küche - und fertig ist der
Kaufladen. Eine Stunde später wird die Sitzbank abgeräumt, umgedreht und
ist die ideale Puppenbühne. Danach ist die Sitzbank wieder Sitzbank, auf der
zwei "Waldorfmädchen" sitzen und sich mit ihren selbstgebastelten Puppen
unterhalten. Das Kind erlebt seine Umwelt, ahmt sie im Spiel nach und lernt
dadurch, ist die einfache Logik der Waldorfpädagogik. Den Vorteil gegenüber
dem üblichen Erziehungswesen der westlichen Welt sehen die Waldorf-
anhänger in der natürlichen Entwicklung des Kindes. Noch einiges haben sich
die Waldorffreunde im Hegau für ihren Kindergarten in Engen vorgenommen.
Mit einer Gruppe wird begonnen, die nicht mehr als 15 Kinder zählen soll.
Der Kindergarten wird nur halbtags "in Betrieb" sein, damit die Verbindung zum
Elternhaus nicht zu lange unterbrochen wird. Überhaupt wird auf die
Zusammenarbeit Kindergärtnerin und Eltern viel Wert gelegt. Auch eine
Abstufung nach Jahren soll es nicht geben. Alle Kinder spielen in einer Gruppe
und wenn ein Kind nicht mitspielen will, muß es das nicht, es soll sich frei
entscheiden. Und eine Vorschule gibt es im Waldorfkindergarten auch nicht.

                                                                                                                 

Waldorfkindergarten wird eingeweiht :
Kleine Kinder brauchen beschützende Umgebung


Von Eltern in Eigenarbeit gebaut - Ungewöhnliche Architektur hat erzieherischen Hintergrund


Engen ros. Die pädagogische Lehre von Rudolf Steiner - die Waldorf-
pädagogik - hat in Engen eine bemerkenswerte Elterninitiative hervor-
gebracht. Die Interessengemeinschaft einiger Eltern aus dem Hegau
gründete 1977 den Verein zur Förderung der Waldorfpädagogik.
Das Ziel, einen Waldorfkindergarten zu bauen, hat der Verein jetzt
geschafft. In zweijähriger Eigenarbeit bauten Eltern den Kindergarten
an der Goethestraße in Engen. Am Samstag, 5.Juni, wird der idyllisch
gelegene Kindergarten in einer Feierstunde offiziell eingeweiht.
Am folgenden Wochenende kann sich die Bevölkerung informieren.
Am Samstag, 12.Juni, 20 Uhr im Katholischen Gemeindezentrum spricht
Dr. Kügelgen, Leiter der Privat-Fachschule für Sozialpädagogik in Stutt-
gart, zum Thema "Im Reich des Kindes wird Lebensschicksal geprägt".
Am Sonntag, 13.Juni, ist von 11 bis 17 Uhr "Tag der offenen Tür" im
neuen Waldorfkindergarten.

Eltern aus verschiedenen Hegaugemeinden mit den gleichen erzieherischen
Vorstellungen, nämlich denen Rudolf Steiners, bekamen im Sommer 1977
ersten Kontakt. Im Dezember des selben Jahres wurde der Verein gegründet.
Die intensive Beschäftigung mit der Waldorflehre machte den Eltern klar, daß
sie einen eigenen Kindergarten benötigten. Im Freien Jugendseminar in Engen
fand der Verein eine Bleibe für den Kindergarten. Man begann mit acht Kindern.
Das war 1978. Aber der Kindergarten im Jugendseminar war als Übergangs-
lösung gedacht. Der Verein, mittlerweile vorwiegend aus Engener Eltern be-
stehend, bekam Ansporn. Zuspruch und Spenden für einen eigenen Kinder-
garten betrachtete der Verein als Verantwortung. Die Eltern machten sich ans
Werk. Der Waldorfkindergarten in Engen hat heute einen Schätzwert zwischen
420000 und 450000 Mark. 193000 Mark erhielt der Verein als Zuschuß von
Stadt und Land. Die restliche Summe setzt sich aus Spenden und Eigenleistung
zusammen. Zwei Jahre lang waren Eltern in ihrer Freizeit Bauhandwerker. Fast
alles am Gebäude ist selbstgebaut. Das Selberbauen hat aber nicht nur den
Hintergrund des Geldes. Es ist eine Konsequenz der erzieherischen Über-
zeugung. Waldorfpädagogik heißt in groben Worten eine der Natur entsprech-
ende Erziehung. Das Kind soll nicht in Plasikumgebung über seinen Entwick-
lungszustand hinaus gefordert werden. Beispiele: Spielzeug wird selbst ge-
bastelt - aus Holz, Wolle, Bast. Das Kind wird nicht in den Kindergarten ge-
bracht wenn es eben drei Jahre alt ist, sondern dann, wenn es bereits Gruppen-
fähigkeit hat. Vergleichbares gilt für die Schule. Man sagt dem Kind nicht
"Spiel jetzt mit dem Puppenwagen", der Erziehende macht es vor, ohne etwas
zu sagen und regt das Kind zum Nachahmen an. Es wird selbst initiativ.
Und sehr wichtig ist in der Waldorfpädagogik die Umgebung. Daher kommt
auch die für den "Unwissenden" eigenwillige Architektur des Engener Waldorf-
kindergartens. Rechte Winkel, so die Waldorf'sche Lehre, macht die Maschine.
In der Natur kommen sie nicht vor. Im Gebäude sind keine rechten Winkel zu
finden. Was dem Betrachter zuerst "verschoben" vorkommt, wirkt im Endeffekt
harmonisch. Die kleinen Kinder bedürfen einer beschützenden Umgebung, die
noch die Form einer Hülle hat. Deshalb ist auch die Dachkonstruktion des
neuen Kindergartens nicht geradlinig, sondern gewölbt.
Der Waldorfkindergarten ist für zwei Gruppen mit maximal 46 Kindern ausge-
stattet. Zwei Waldorfkindergärtnerinnen, Angelika Prange und Elisabeth
Sander, betreuen zur Zeit 35 Kinder in zwei Gruppen.
Wichtig für den Verein zur Förderung der Waldorfpädagogik sind Beweglich-
keit und Zusammenarbeit. Zum Thema Beweglichkeit: Der Verein mußte den
Bau selbst erstellen, also finanzieren. Das trifft auch für den Unterhalt zu.
Es gibt aber keine festen Mitgliedsbeiträge, sondern lediglich Richtsätze.
Freiwilligkeit war auch die Basis bei der Eigenarbeit. Zusammenarbeit heißt
bei den Eltern des Fördervereins, im Kindergarten mitwirken und darüberhinaus
Kontakt pflegen - eine Gemeinschaft sein.

Südkurier Juni 1982